„Die Welt der Ski-Challenge“

„Beep, Beep, Beep“

 Skifahren ist für uns Österreicher weit mehr als nur ein Sport, es ist auch derjenige den wir am Meisten lieben. Im Jahr 2004 brachte die Firma „Greentube“, ein äußerst originelles, virtuelle Spiel auf den Markt – Die „Ski-Challenge“. Zu der Zeit war das Internet noch nicht so überlaufen von Online Games wie heute. Menschen, vor allem junge Personen, meist Schüler und Studenten fanden sofort Interesse an dem „E-Game“. Ich selbst habe über die letzten Jahre wahrscheinlich über 100 Stunden mit diesem verbracht, deshalb weiß ich genau was den Reiz der Ski-Challenge ausmacht.

Mittlerweile haben wir 2013 und die Ski-Challenge gibt es immer noch und der Kreis der Spieler hat sich enorm erweitert. Doch wie kann ein relativ einfach programmiertes Game so großen Anhang finden. Dies möchte ich an den 4 ludologischen Prinzipien näher erläutern.

Agón – Wettkampf

 Der Wettkampf ist das um und auf der Ski-Challenge. Ein Game solch einer Art würde nie über so viele Generationen bestehen bleiben können ohne diesen. Die Möglichkeit seine eigene Zeit zu unterbieten und, vor allem mit anderen Spielern aus anderen Ecken der Welt zu konkurrieren, macht das Game attraktiv. Der Wettkampf geht dabei nicht nur über ein paar Tage sondern über eine ganze Wintersaison. Neben den Rennen (Bsp: Gröden, Bormio, Aare), welche an denselben Wochenenden gefahren werden wie es in der Realität der Fall ist, lebt das Spiel auch zwischen diesen. Durch die Qualifikation, welche man bestreiten muss, entsteht hier schon Wochen vor dem tatsächlichen Event ein herbes Ringen um die schnellste Zeit, obwohl diese natürlich noch keine Punkte mit sich bringt.

Man kann auch während des Spiels die „Geister“ anderer Spieler ansehen und deren Linie nachfahren:

Pic1

 

Alea – Zufall

 Der Faktor „Zufall“ ist in diesem Spiel eigentlich kaum gegeben. Zwar werden die Wetterverhältnisse beim Rennen durch das Zufallsprinzip ausgewählt, jedoch wäre dies das einzige. Viele Spieler würden nun damit argumentieren, dass es oft ein Zufall ist welche Bodenwelle man erwischt und wie weit ein Sprung geht  – Tatsache ist, das Spiel ist für alle gleich, man muss nur die beste Linie finden.

 

Mimikry – Maskierung

 Jede Person die sich entschließt die Ski-Challenge auszuprobieren, muss vor Spielbeginn einen Avatar auswählen, den man nach eigenem Belieben einkleiden darf. Desweitern wird ein „Nickname“ für sein Spielerprofil ausgesucht. Die Mitspieler sehen somit nur ein Abbild dessen, was der Spieler konstruiert hat und nie den Spieler selbst. Nur von der „Creme de la creme“, die auch bei Weltmeisterschaften mitgespielt haben, kennt man die Gesichter dahinter. Meiner Meinung nach dauert es jedoch nicht mehr lange bis ein Profilbild den Avatar unterstützt und dieses für alle Mitspieler sichtbar ist.

Pic2

 

Illinx – Rausch

 Wer Ski-Challenge mehr als nur zum ausprobieren gespielt hat, weiß um seine Wirkung bescheid. Der Kampf und die Begierde nach der schnelleren Zeit, führt zu einem Wechselbad der Gefühle. Selbst wenn die Konzentration nach mehreren Stunden nachlässt, spielt man weiter und weiter. Dabei spielt man sich in einen Rausch: Der eine vernachlässigt seinen Schlaf, ein anderer vergisst darauf zu essen. Erstaunlicherweise ist beispielsweise mein Zigarettenkonsum im Winter deutlich geringer als im Sommer. Obwohl nach mehreren Stunden dem Spieler absolut bewusst wird, dass man in dem derzeitigen Zustand keine bessere Zeit mehr herausfahren kann, obsiegt die Gier.

Sponsoren:

In den ersten Jahren der Ski-Challenge gab es noch eine Vielzahl an Sponsoren die versuchten, in jedem Eck ihre Werbung zu platzieren. 2013 gibt es nur mehr einen Sponsor, welcher im Starthaus, auf Banner und Torbögen erkannt werden kann. Zweierlei Gründe könnte es dafür geben: Entweder die Kosten für solch ein Platzieren sind zu hoch, oder eine Vielzahl an verschiedener Marken, lässt die eigene untergehen. An einem generellen Mangel an Interesse an diesem E-Game kann es nicht liegen àDie Anzahl an Spielern steigt von Jahr zu Jahr.

2011 waren noch einige Sponsoren zu erkennen:

Pic 3Pic4

Heuer (2013) ist der alleinige Sponsor „Gametwist“

Rangliste und Statistiken

 Zwei wichtige Komponente für ein Online Spiel solch einer Größe, ist ein geeigneter Internetauftritt und eine Plattform auf der Spieler zu Informationen kommen können. Auf der Homepage kann man die komplette Rangliste einsehen. Zusätzlich findet man in jedem Spielerprofil dessen Statistiken. Wie oft er gestürzt ist, wie oft er gestartet ist und das Wichtigste, wie viel Zeit man in das Spiel investiert hat; sprich: Wie viele Stunden jemand vor dem PC gesessen ist und seinem Skifahrer auf den Hintern geschaut hat.

Pic5 Pic6

„Die Feinheiten machen ein gutes Spiel aus“

Kommen wir zu der Skieinstellung. Diese ist ein elementarer Bestandteil einer guten Zeit. Diese kann man zwischen „Anfänger“ und „Classic“ einstellen. Durch diese verändert sich das Fahrverhalten drastisch. Entweder man macht Zeit auf der Geraden oder in der Kurve gut. Man kann jedoch auch, was das Spiel noch um ein Eck interessanter macht, die Skieinstellung individuell einstellen. Jeder muss selbst seine für ihn geeignete Einstellung finden. Und da kommt etwas Interessantes ins Spiel:

Noch vor kurzer Zeit konnte man nur raten, was die Top-Fahrer für eine Einstellung hatten, Ich hab mich nur selbst zu oft sagen gehört „Mit der Skieinstellung der Besten wäre ich genauso gut“. Prompt erschien dieses Jahr eine Seite in der man diese herausfinden kann. Und was hat sich dadurch verändert? – Rein gar nichts! Die Besten sind noch immer meilenweit voran und im Gegenteil, andere Mitspieler sind mir näher gekommen.

Das herausfinden der idealen Skieinstellung führte sogar dazu, dass manche probierten nicht die 100% die man zu Verfügung hat um seinen Ski zu „basteln“ ausnutzen, da sie meinten das mache den Ski schneller ^^

Pic7

Ein weiterer, etwas seltsamer Trick, ist die Sprungtaste, welche vorher die Leertaste war umzuprogrammieren auf die Taste „Q“. Diese würde mehr Flexibilität und somit bessere Zeiten bringen. Auch werden noch heute Damen den Männern (Als Avatar natürlich) bevorzugt. Diese haben einen „vorteilhafteren“ Körperbau und das bringt wertvolle Hundertstel.

„Das Lernen“

Um eine gute Zeit zu fahren bedarf es jedoch nicht nur, so oft wie möglich den Berg herunter zu fahren, man muss auch andere Fahrer, welche in manchen Passagen schneller waren, studieren. Gute Spieler verbirngen allein Stunden damit sich immer und immer wieder durch die Option „Wiedergabe“ die Schünge anderer anzuschauen und diese nachzumachen – Dabei ist der Lernprozess wahrscheinlich nie abgeschlossen.

„Die eigene Welt“

Die Welt der Ski-Challenge hat nun schon einige Jahre bestand und neben den tausenden Fahrern die um die schnellste Zeit kämpfen gibt es Spieler denen eine schnelle Zeit egal ist und sie einen zusätzlichen Spaß an dem Spiel gefunden haben. Die Rede ist von den roten Laternen: Aus ein paar Anfängern wurde in nur kurzer Zeit eine Community, welche sich gegenseitig Videos schickten oder diese auf „Youtube“ veröffentlichten. In diesen Videos versuchten Spieler so nahe wie möglich, an eine bestimmte Fahrtzeit heranzukommen. Diese Zeit war jedoch nicht niedrig sondern sehr hoch. Zum Beispiel musste die Strecke „Gröden“ in genau 08:40 Minuten absolviert werden. Der Sieger bekam eine Trophäe von den übrigen Mitgliedern gesponsert.

Und aus sollen Communities wie dieser, entsteht aus einem einfachem Rennspiel eine eigene Welt, in der Personen zu einander finden. Dies wurde glücklicherweise auch erkannt und deshalb entstanden Events, außerhalb der virtuellen Welt. Vor ein paar Jahren verfolgte ich via „Livestream“ ein Treffen der Giganten im „Goleador“ in Wien-Hütteldorf. Dort trafen sich die besten Spieler aus ganz Österreich Deutschland und der Schweiz und hielten eine eigene Weltmeisterschaft ab. Ein E-Game wurde zu einem gesellschaftlichen Ereignis, welches man eventuell nur in Asien („Starcraft“) kennt.

Abschließend ist zu sagen, dass es nicht verwunderlich ist, dass sich diese E-Game so lange gehalten hat. Es glänzt nicht durch seine unverwechselbare Optik oder Liebe zum Detail, sondern lebt von den Spielern; und diese werden sehr stark in die Welt der Ski-Challenge eingebunden. Das Bedürfnis etwas Neues zu erleben und Teil einer Gemeinschaft zu sein wurde dabei perfekt umgesetzt. Ein gutes Spiel muss unterhalten, ein besseres Interaktion mit Mitmenschen schaffen und darauf liegt der Fokus dieses Spiels.

Quellen:
ILV Multimediale Anwendungen, Bachelor-Studiengang Media- und Kommunikationsberatung
FH St.Pölten, WS 2012

www.ski-challenge.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s